Hausschwamm oder Schimmel: So unterscheiden Sie die beiden
Von Luca Marino Faller, Bausachverständiger aus Nümbrecht
Blog · ca. 7 Minuten · July 18, 2026
Hausschwamm oder Schimmel? Woran Sie die beiden unterscheiden, warum Hausschwamm Holz zerstört und wie eine Laborprobe den Verdacht sicher klärt.

Kurz gesagt: Schimmel wächst meist auf Oberflächen wie Tapete, Putz, Kartons oder Möbeln und ist vor allem ein hygienisches Problem. Der Echte Hausschwamm ist ein holzzerstörender Pilz: Er baut Holz ab, das danach würfelartig reißt und an Festigkeit verliert, und er kann über Mauerwerk und Putz weiterwachsen. Ob es wirklich Hausschwamm ist, klärt sicher erst eine Probe im Labor.
Beim Ausräumen des Kellers, unter alten Dielen oder hinter einer Verkleidung taucht ein weißer, watteartiger Belag auf. Dann stellt sich die Frage: Schimmel oder Hausschwamm? Nicht jeder weiße Belag ist aber Hausschwamm. Auch Schimmel und Salzausblühungen sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Hier erkläre ich, woran Sie die beiden unterscheiden, was Sie selbst prüfen können und wann eine Probe nötig ist.
Woran Sie den Unterschied selbst erkennen
Diese Merkmale helfen beim Einordnen. Je mehr der Hausschwamm-Merkmale zutreffen, desto eher sollten Sie an einen holzzerstörenden Pilz denken. Eine kurze Übersicht der Merkmale und der nächsten Schritte finden Sie auf der Seite Hausschwamm erkennen.
- Untergrund — Schimmel sitzt auf Tapete, Putz, Silikonfugen, Leder, Kartons oder Möbeln. Hausschwamm braucht Holz oder anderes zellulosehaltiges Material und sitzt an Balken, Balkenköpfen, Dielen, Türzargen oder im Fachwerk.
- Belag — Schimmel bildet Flecken oder einen dünnen Rasen auf der Oberfläche. Hausschwamm bildet in feuchten, schlecht belüfteten Räumen ein weißes, durchscheinendes Luftmyzel, also ein watteartiges Geflecht aus Pilzfäden, das sehr groß werden kann.
- Stränge — Hausschwamm bildet Stränge aus Pilzfäden. Damit wächst er auch über Mauerwerk, Putz und Schüttungen hinweg und durch Fugen hindurch. Stränge, die über eine Wand laufen, sind ein deutliches Warnzeichen.
- Fruchtkörper — Im fortgeschrittenen Stadium bildet der Hausschwamm rotbraune, fleischige Fruchtkörper mit einem scharf begrenzten weißen Rand. Sie geben rotbraunes Sporenpulver ab.
- Tropfen — Bei starkem Wachstum scheidet der Hausschwamm Flüssigkeitströpfchen aus.
- Zustand des Holzes — Bei Schimmel auf Holz bleibt das Holz darunter in der Regel fest, der Belag lässt sich abwischen. Beim Hausschwamm wird das Holz braun, reißt längs und quer zu Würfeln, wird weich und zerfällt am Ende zu Pulver. Fachleute sprechen von Braunfäule und Würfelbruch.
- Geruch — Ein muffiger, pilziger Geruch zeigt, dass etwas Mikrobielles wächst. Ein Unterscheidungsmerkmal ist er nicht. Mehr dazu im Beitrag Kellergeruch.
Ein weißer, pulvriger oder kristalliner Belag auf Mauerwerk kann auch Salz sein. Wie Sie das unterscheiden, zeigt der Beitrag Weißer Belag an der Wand: Salz oder Schimmel?
Die Liste ersetzt keine Bestimmung. Ein Belag lässt sich mit bloßem Auge nicht sicher zuordnen, und auch andere holzzerstörende Pilze bauen Holz ab. Sicherheit bringt erst das Labor.
Ursachen und Einordnung
Was der Hausschwamm zum Wachsen braucht
Wie Schimmel braucht auch der Hausschwamm Feuchte. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) kann er ab einer Holzfeuchte von etwa 25 % wachsen, am besten gedeiht er bei 35 bis 55 % Holzfeuchte und Temperaturen um 18 bis 22 °C. Unter 20 % Holzfeuchte stellt er das Wachstum ein, kann aber in einer Art Trockenstarre viele Jahre überdauern.
Typische Fundorte sind nach dem UBA feuchte Keller und Erdgeschosse, Fachwerkhäuser mit ebenerdiger Gründung und Altbauten mit schadhafter Bausubstanz. Häufig breitet sich der Pilz lange unbemerkt aus, etwa unter Bodenbelägen, hinter Wandverkleidungen oder in Zwischendecken.
Woher die Feuchte kommt
- Balkenköpfe in feuchten Außenwänden — Wo Deckenbalken im Mauerwerk aufliegen, nehmen sie Feuchte aus der Wand auf.
- Erdberührte Wände — In Häusern am Hang und in Bruchsteinkellern aus Grauwacke, wie man sie im Oberbergischen und im Bergischen Land oft findet, drückt Feuchte von außen gegen die Kellerwand. Liegen dort Holzdecken, Regale oder Verschläge an, bleibt das Holz lange nass.
- Fachwerk mit Schäden — Hinter einer Verschieferung oder Verkleidung kann Wasser unbemerkt ins Holz laufen. Siehe Verschiefertes Fachwerk: Wetterschutz oder Feuchtefalle?
- Leitungswasser — Ein undichtes Rohr unter Dielen hält Holz lange nass.
Warum Schimmel anders zu bewerten ist
Der UBA-Schimmelleitfaden hält fest, dass die holzzerstörenden Pilze mit wenigen Ausnahmen nicht zu den Schimmelpilzen gehören (S. 16). Schimmel ist vor allem ein hygienisches Problem für die Raumluft. Beim Hausschwamm geht es um die Festigkeit von Holzbauteilen. Gesundheitlich stuft das UBA den Hausschwamm nicht als Schädling ein. Gegen seine Sporen können Menschen aber allergisch reagieren, und auf seinen Fruchtkörpern können sich Schimmelpilze ansiedeln.
Ein bestätigter Befall ist ernst, aber sanierbar. Je früher er erkannt wird, desto kleiner bleibt meist der Rückbau.
Was der Sachverständige vor Ort prüft
Bei einem Verdacht gehe ich in dieser Reihenfolge vor:
- Sichtprüfung — Ich sehe mir die betroffenen Holzbauteile und die angrenzenden Wände, Decken und Böden an: Wo sitzen Beläge, Stränge oder Fruchtkörper, wo ist das Holz verfärbt oder rissig, wo gibt es nach?
- Feuchtemessung — Die Materialfeuchte im angrenzenden Mauerwerk messe ich mit dem kapazitiven Messverfahren an mehreren Punkten und in verschiedenen Höhen. So sehe ich, wo die Feuchte herkommt und wie weit sie reicht. Mehr zur Feuchtemessung im Mauerwerk.
- Probe für das Labor — An der verdächtigen Stelle entnehme ich eine Probe und schicke sie an ein Labor. Das Labor bestimmt den Pilz unter dem Mikroskop, bei Verdacht auf Echten Hausschwamm auch molekularbiologisch. Wie das abläuft, steht auf der Seite Holzzerstörende Pilze bestimmen.
- Ausdehnung — Die Probe beschreibt die Stelle, an der sie entnommen wurde. Wie weit sich ein Pilz im Bauteil ausgebreitet hat, kläre ich bei der Begehung und, wenn nötig, mit weiteren Proben.
Die Bestimmung wird gesondert berechnet. Die Preise stehen auf der Seite Holzzerstörende Pilze bestimmen. Welche Analyse Sie brauchen und wie viele Proben sinnvoll sind, bespreche ich vorher mit Ihnen.
Ob ein geschwächter Balken noch trägt, beurteilt ein Tragwerksplaner. Liegt die Feuchte an einem undichten Rohr, übernimmt eine Fachfirma die Ortung.
Typische Fehlentscheidungen
- Abwischen und verkleiden — Der Belag ist weg, der Pilz im Holz und im Mauerwerk nicht.
- Mit Mitteln aus dem Baumarkt behandeln — Ein Spray erreicht die Oberfläche. Der Hausschwamm sitzt im Holz und kann im Mauerwerk weiterwachsen.
- Nur das sichtbar befallene Brett tauschen — Bei einem bestätigten Befall wird nach der Darstellung des UBA zur DIN 68800-4 befallenes Holz mit einem Sicherheitsabstand von etwa einem Meter ausgetauscht und das Mauerwerk behandelt.
- Auf Verdacht groß zurückbauen — Wer Decken öffnet und Balken tauscht, obwohl es nur Schimmel ist, zahlt für einen Eingriff, der nicht nötig war.
- Die Feuchte vergessen — Ohne trockene Bauteile bringt der Austausch nichts. Zuerst kommt die Ursache, dann die Trocknung, dann der Rückbau.
Wann Sie einen Gutachter brauchen und wann nicht
Eher nicht nötig ist ein Sachverständiger, wenn sich ein Belag nur auf Kartons, Möbeln oder Textilien zeigt, das Holz darunter fest ist und die Ursache klar ist, etwa feuchte Sommerluft im Keller. Dann reicht es meist, die Gegenstände zu reinigen oder zu entsorgen und das Lüften anzupassen. Siehe Sommerkondensation im Keller.
Sinnvoll ist eine fachliche Klärung mit Probe:
- wenn Holz weich, braun oder würfelig zerbrochen ist — vor allem an tragenden Balken, Balkenköpfen oder im Fachwerk.
- wenn Stränge über Mauerwerk laufen — oder rotbraune Fruchtkörper und rotbraunes Sporenpulver auftauchen.
- wenn Holz lange nass war — etwa nach einem Leitungswasserschaden unter Dielen.
- wenn Sie einen Altbau oder ein Fachwerkhaus kaufen wollen — und an Balken oder im Keller etwas auffällt. Mehr auf der Seite für Käufer.
Den Überblick über Schimmel im Haus gibt der Leitartikel Schimmel in der Wohnung.
Häufige Fragen
Kann ich Hausschwamm selbst sicher erkennen?
Sie können einen Verdacht gut begründen: Stränge über Mauerwerk, rotbraune Fruchtkörper und würfelig zerfallendes Holz sind deutliche Hinweise. Sicher bestimmen lässt sich der Pilz aber erst im Labor. Deshalb stütze ich meine Bewertung auf den Laborbefund und nicht auf den Augenschein.
Ist Hausschwamm gesundheitsschädlich?
Das UBA stuft den Hausschwamm nicht als Gesundheitsschädling ein. Gegen seine Sporen können Menschen aber allergisch reagieren, und auf seinen Fruchtkörpern können sich Schimmelpilze ansiedeln. Der eigentliche Schaden betrifft das Holz. Bei gesundheitlichen Beschwerden sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was kostet die Bestimmung?
Die Bestimmung im Labor wird zusätzlich zum Termin vor Ort berechnet, etwa zum Analysetermin ab 510 € inkl. MwSt. und Anfahrt. Was sie kostet, steht auf der Seite Holzzerstörende Pilze bestimmen. Die Kosten bespreche ich vorher mit Ihnen.
Wer saniert einen Hausschwamm-Befall?
Ein Fachbetrieb für Holzschutz, auf Grundlage der DIN 68800-4: Ursache beseitigen, trocknen, befallenes Holz mit Sicherheitsabstand entfernen, Mauerwerk behandeln. Bei tragendem Holz gehört ein Tragwerksplaner dazu.
Weißer Belag am Holz und Sie sind unsicher? Schreiben Sie mir kurz, wo er sitzt, und schicken Sie ein Foto mit. Als Bausachverständiger und Fachkraft für Schimmelpilzsanierung kläre ich den Verdacht im Oberbergischen Kreis und Umgebung, mit Probe und Laborbefund. Wie ich bei Pilzbefall vorgehe, lesen Sie auf der Seite Schimmelschaden. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, einen Vor-Ort-Termin in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen. Analysetermin anfragen
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