Kellergeruch: Woher er kommt und ob er gesundheitsschädlich ist
Von Luca Marino Faller, Bausachverständiger aus Nümbrecht
Blog · ca. 7 Minuten · September 5, 2026
Muffiger Kellergeruch ohne sichtbaren Fleck? Woher er kommt, was der UBA-Leitfaden zur Gesundheit sagt und wie sich die Ursache finden lässt.

Kurz gesagt: Muffiger Kellergeruch entsteht, wenn Mikroorganismen auf feuchten Materialien wachsen, oft an Stellen, die man nicht sieht. Nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts (UBA) stammt der typische Geruch feuchter Altbaukeller oft von Bakterien, die bei länger andauerndem Schimmelbefall so gut wie immer in großen Mengen vorkommen. Der Geruch selbst ist kein akutes Gesundheitsrisiko, er zeigt aber Feuchte an, deren Ursache Sie klären sollten.
Eine kurze Übersicht der typischen Ursachen finden Sie auf der Seite Muffiger Geruch im Keller. Mit einem Kellergutachten erhalten Sie Befund, Messwerte und Ursache schriftlich.
Ein muffiger Geruch im Keller, und an Wänden und Boden ist nichts zu sehen: Dann wird der Geruch oft hingenommen oder mit einem Duftspray überdeckt. Beides löst das eigentliche Problem nicht. Hier erkläre ich, woher der Geruch kommt, was der UBA-Leitfaden zur Gesundheit sagt und wie sich die Quelle finden lässt.
Woran Sie es selbst erkennen
Mit diesen Fragen grenzen Sie die Ursache schon vor einem Termin ein:
- Wann riecht es stärker? — Nach Regen spricht eher für Wasser von außen. Bei warmem, schwülem Wetter im Sommer eher für Kondensat, also Wasser aus der warmen Luft, das sich an der kühlen Kellerwand niederschlägt. Riecht es ganzjährig gleich, spricht das eher für Feuchte in Wand oder Boden.
- Wo ist der Geruch am stärksten? — Gehen Sie mit der Nase an Wände, Ecken, Regale, Verkleidungen und Bodenbeläge. Oft lässt sich die Quelle auf eine Wand oder eine Ecke eingrenzen.
- Was steht dort? — Kartons, Holzregale, alte Polster und Leder riechen schnell muffig, wenn sie feucht lagern.
- Wie hoch ist die Luftfeuchte? — Ein einfaches Hygrometer zeigt den Verlauf. Notieren Sie die Werte über mehrere Tage. Siehe Luftfeuchtigkeit richtig messen.
- Gibt es Spuren am Sockel? — Dunkle Ränder, weiße Salzkrusten oder abblätternde Farbe unten an der Wand deuten auf Feuchte im Mauerwerk.
- Riecht es eher nach Abwasser? — Ein fauliger Kanalgeruch ist etwas anderes als Muff. Dann lohnt ein Blick auf Bodenabläufe und Abwasserleitungen.
Ursachen und Einordnung
Woher der Geruch kommt
Wachsen Schimmelpilze oder Bakterien auf feuchtem Material, geben sie flüchtige Stoffwechselprodukte an die Luft ab. Fachleute nennen sie MVOC, mikrobielle flüchtige organische Verbindungen. Manche davon riecht die Nase schon in sehr geringer Menge (UBA-Leitfaden, S. 44). Für feuchte Altbaukeller nennt der Leitfaden vor allem bestimmte Bakterien, Streptomyceten und andere Aktinobakterien, als Quelle des muffigen Geruchs (S. 17). Dazu können chemische Ausdünstungen aus feuchten Materialien kommen.
Wichtig: Befall muss nicht sichtbar sein. Laut UBA kann auch der Putz einer durchfeuchteten Wand befallen sein, ohne dass man es sieht, und trotzdem muffig riechen (S. 17). Der Geruch kann deshalb der erste Hinweis sein.
Wo sich die Feuchte versteckt
- Hinter Verkleidungen und Vorwänden — Trockenbau, Holzverschalungen und Sanitärvorwände verdecken die Wand dahinter vollständig.
- Unter Bodenbelägen — Ein feuchter Estrich unter Fliesen oder PVC zeigt sich an der Oberfläche oft gar nicht.
- In der Dämmung — Nachträglich eingebrachte Dämmung kann Feuchte einschließen.
- Im Mauerwerk selbst — In Häusern am Hang und in Bruchsteinkellern aus Grauwacke oder Schiefer, wie man sie im Oberbergischen Kreis und im Bergischen Land oft findet, drückt Feuchte von außen gegen die erdberührten Wände. Mehr dazu im Beitrag Haus am Hang.
Typische Feuchtequellen
Typische Quellen sind, einzeln oder zusammen: Wasser, das seitlich durch die Kellerwand dringt, Feuchte, die im Mauerwerk aufsteigt, Kondensat im Sommer oder ein undichtes Rohr. Welche es ist, zeigt erst die Messung. Wie sich nasse Kellerwände unterscheiden lassen, erklärt der Beitrag Nasse Wände im Keller.
Ist Kellergeruch gesundheitsschädlich?
Der Geruch selbst und das, was ihn verursacht, sind zwei verschiedene Dinge.
- Der Geruch selbst — Akute gesundheitliche Wirkungen der MVOC sind bei Schimmelbefall nach dem UBA-Leitfaden wegen der geringen Konzentrationen nicht zu erwarten. Sie können aber als Belästigung empfunden werden. Über Wirkungen bei langer Einwirkung gibt es laut Leitfaden bisher keine Erkenntnisse (S. 44).
- Die Ursache dahinter — Der Geruch zeigt, dass etwas wächst. Schimmelwachstum im Innenraum betrachtet das UBA als Gesundheitsrisiko, auch wenn sich kein direkter Zusammenhang mit einzelnen Pilzarten nachweisen lässt (S. 37). Zugleich betont der Leitfaden: Ein festgestellter Befall ist nicht mit einem akuten Gesundheitsrisiko gleichzusetzen. Es gilt das Vorsorgeprinzip, also Belastungen zu verringern, bevor es zu Beschwerden kommt (S. 111).
- Wer besonders vorsichtig sein sollte — Als besonders zu schützen nennt der Leitfaden Menschen mit geschwächtem Immunsystem, mit Mukoviszidose oder mit Asthma (S. 39).
- Wie der Keller genutzt wird — Ein Keller, der nur separat über Hof oder Treppenhaus erreichbar ist, gehört nach dem Leitfaden zur Nutzungsklasse III. Dort gelten geringere Anforderungen, und eine Sanierung ist weniger dringlich. Halten Sie sich dort nicht nur vorübergehend auf, etwa in einem Arbeits- oder Wohnraum im Keller, gelten die normalen Anforderungen wie in der Wohnung (S. 124 f.).
Eine medizinische Diagnose kann ich nicht stellen. Haben Sie Beschwerden, sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was der Leitfaden zu Allergien sagt, steht im Beitrag Schimmel und Gesundheit.
Was der Sachverständige vor Ort prüft
Eine Sichtkontrolle allein reicht hier nicht. Ich gehe so vor:
- Quelle eingrenzen — Raum für Raum, Wand für Wand, mit Blick auf Verkleidungen, Böden und gelagerte Gegenstände.
- Materialfeuchte — Ich messe die Feuchte im Mauerwerk mit dem kapazitiven Messverfahren an mehreren Punkten und in verschiedenen Höhen. Das Muster zeigt, ob die Feuchte von unten, von außen oder von der Oberfläche kommt. Mehr zur Feuchtemessung im Mauerwerk.
- Oberflächentemperatur und Raumklima — Damit lässt sich abschätzen, ob an kühlen Wänden Kondensat entstehen kann. Mehr zur Raumklima-Messung.
- Proben bei Bedarf — Gibt es eine verdächtige Stelle, hilft eine Materialprobe. Gibt es keine, kann eine MVOC-Messung den Verdacht auf verdeckten Befall stützen. Wo der Befall sitzt, zeigt sie allerdings nicht.
- Blick hinter die Verkleidung — Nur wenn nötig und nach Absprache öffne ich eine Verkleidung an unauffälliger Stelle.
Probenentnahme und Laboranalysen werden gesondert berechnet, die Probenentnahme ab 120 €, die Laboranalyse ab 75 € je Probe, jeweils inkl. MwSt. Die Kosten bespreche ich vorher mit Ihnen. Steckt ein undichtes Rohr dahinter, übernimmt eine Fachfirma die Ortung. Meine Messung zeigt, welche Bereiche betroffen sind.
Typische Fehlentscheidungen
- Geruch überdecken — Duftsprays und Geruchsbinder ändern nichts an der Feuchte. Der Geruch kommt wieder.
- Im Sommer kräftig lüften — Warme, feuchte Außenluft kühlt im Keller ab und gibt Wasser an die Wände ab. Siehe Sommerkondensation im Keller.
- Entfeuchter statt Ursache — Ein Luftentfeuchter senkt die Luftfeuchte. Kommt die Feuchte aus der Wand, bleibt sie dort.
- Verkleiden oder dämmen — Wer eine feuchte Wand verkleidet, schafft genau die verdeckte Stelle, an der es weiter wächst.
- Den Geruch beim Hauskauf übergehen — Ein muffiger Keller bei der Besichtigung ist ein Hinweis, kein Detail. Siehe Feuchter Keller beim Hauskauf.
Wann Sie einen Gutachter brauchen und wann nicht
Eher nicht nötig ist ein Sachverständiger, wenn der Geruch nur im Sommer auftritt, nach angepasstem Lüften verschwindet und keine feuchten Stellen zu finden sind. Dasselbe gilt, wenn Sie die Quelle selbst gefunden haben, etwa feuchte Kartons, und es danach nicht mehr riecht.
Sinnvoll ist eine fachliche Klärung:
- wenn der Geruch trotz Lüften bleibt — oder stärker wird.
- wenn er bis in die Wohnräume zieht — oder der Keller als Hobby- oder Arbeitsraum genutzt wird.
- wenn Sie den Keller ausbauen wollen — Siehe Keller zum Wohnraum ausbauen.
- wenn ein Kauf oder Verkauf ansteht — und Sie wissen möchten, woran Sie sind.
Weitere Hinweise für Ihre Lage finden Sie auf der Seite für Privateigentümer.
Welche Ursachen hinter einem feuchten Keller stecken können, ordnet der Ratgeber Feuchter Keller im Überblick.
Häufige Fragen
Riecht Schimmel immer?
Nein. Ob und wie es riecht, hängt nach dem UBA-Leitfaden von den Mikroorganismen und vom Material ab. Befallene Spanplatten riechen stark muffig, befallenes Polystyrol oder Mineralwolle dagegen meist kaum oder anders (S. 17). Fehlender Geruch ist also keine Entwarnung.
Hilft ein Luftentfeuchter gegen Kellergeruch?
Er kann den Geruch abschwächen, weil er die Luft trockener macht. Die Ursache in Wand oder Boden beseitigt er nicht. Ob sich ein Entfeuchter als Ergänzung lohnt, lässt sich erst sagen, wenn die Feuchtequelle bekannt ist.
Ist muffiger Geruch im Keller ein Zeichen für Hausschwamm?
Nicht unbedingt. Muffiger Geruch zeigt mikrobielles Wachstum, sagt aber nichts über die Art. Fällt Ihnen zusätzlich weiches, braunes oder würfelig zerbrochenes Holz auf, lesen Sie den Beitrag Hausschwamm oder Schimmel und die Übersicht Hausschwamm erkennen.
Was kostet es, die Ursache klären zu lassen?
Der Analysetermin kostet ab 510 € inkl. MwSt. und Anfahrt. Ich messe vor Ort und sage Ihnen direkt, was ich für die Ursache halte. Proben werden zusätzlich berechnet und vorher mit Ihnen besprochen. Beauftragen Sie danach ein Gutachten oder ein Sanierungskonzept, rechne ich den Analysetermin an.
Ihr Keller riecht muffig und Sie finden die Stelle nicht? Schreiben Sie mir kurz, seit wann und wann es besonders stark riecht. Ich kläre die Ursache im Oberbergischen Kreis und Umgebung. Wie ich bei feuchten Kellern vorgehe, lesen Sie auf der Seite Kellersanierung. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, einen Vor-Ort-Termin in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen. Analysetermin anfragen
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