Schimmel und Gesundheit: Was der UBA-Leitfaden zu Allergien wirklich sagt
Von Luca Marino Faller, Bausachverständiger aus Nümbrecht
Blog · ca. 5 Minuten ·
Schimmelpilze können allergische Reaktionen auslösen – aber nicht jeder Bluttest ist dafür aussagekräftig. Was der UBA-Leitfaden zur gesundheitlichen Bewertung sagt.

Die gesundheitliche Sorge ist oft der eigentliche Grund, warum Schimmelbefall überhaupt fachlich abgeklärt wird. Der UBA-Leitfaden ordnet die Datenlage dazu differenziert ein – ohne zu verharmlosen, aber auch ohne unbelegte Aussagen.
Wie eine Schimmelpilzallergie entsteht
Beim Einatmen von Schimmelpilzsporen oder Myzelbruchstücken kann das Immunsystem mit der Bildung spezifischer IgE-Antikörper reagieren – eine sogenannte Sensibilisierung. Erst bei erneutem Kontakt können daraus Symptome wie Rhinitis (heuschnupfenähnliche Beschwerden) oder Asthma entstehen, oft innerhalb weniger Minuten nach dem Einatmen.
Wie häufig sind Schimmelpilzallergien wirklich?
Europaweit wurden Allergien gegen Schimmelpilze aus Außen- und Innenluft in der Gesamtbevölkerung mit einer Häufigkeit zwischen 3 % und 10 % nachgewiesen. Beim Kinder-Umwelt-Survey des Umweltbundesamtes wiesen rund 6 % von 1.790 untersuchten Kindern Antikörper gegen mindestens einen getesteten Innenraumschimmelpilz auf – am häufigsten gegen Penicillium chrysogenum (5 %).
Warum ein Bluttest allein wenig aussagt
Ein zentraler Hinweis aus dem Leitfaden: Der Nachweis spezifischer IgE-Antikörper im Blut lässt weder Rückschlüsse auf den Ort der Exposition (Innenraum oder Außenluft) noch auf den Schweregrad einer allergischen Reaktion zu. Da ohnehin immer eine gewisse Exposition gegenüber Schimmelpilzen in der Außenluft besteht, lässt sich im Einzelfall oft nicht beweisen, dass eine Allergie tatsächlich durch Schimmel im Innenraum verursacht wurde.
IgG-Test: nicht aussagekräftig
Der Leitfaden weist ausdrücklich darauf hin, dass die Bestimmung von IgG-Antikörpern gegen Schimmelpilzallergene für die Diagnostik bei Innenraumexposition nicht sinnvoll ist. Ein positiver IgG-Nachweis zeigt lediglich, dass irgendwann ein Kontakt stattgefunden hat – unabhängig davon, ob eine Sensibilisierung oder Erkrankung vorliegt.
Was das für Betroffene bedeutet
Bei gesundheitlichen Beschwerden mit vermutetem Zusammenhang zu Schimmel empfiehlt der UBA-Leitfaden zunächst den Hausarzt, der bei Bedarf an Fachärzte für Lungenheilkunde oder Allergologie überweist. Ergibt sich daraus ein Hinweis auf ein Innenraumproblem, sollte parallel die Wohnung fachlich auf die Schimmelquelle untersucht werden – die medizinische und die bautechnische Abklärung ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.
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