Voruntersuchung vor der Kellerabdichtung: Was vorher geklärt sein muss
Von Luca Marino Faller, Bausachverständiger aus Nümbrecht
Blog · ca. 7 Minuten · September 30, 2026
Bevor ein Keller abgedichtet wird, müssen Ursache, Wasserbelastung, Wandaufbau, Salze und Nutzung feststehen. Was eine gute Voruntersuchung umfasst und woran Sie merken, dass sie fehlt.

Kurz gesagt: Eine Kellerabdichtung ist nur so gut wie die Untersuchung davor. Bevor ein Verfahren feststeht, sollten Ursache und Ausmaß der Feuchte, die Art des Wassers am Bauteil, der Aufbau der Wand, die Salzbelastung und die künftige Nutzung geklärt sein. Fehlt dieser Schritt, wird oft das Falsche gründlich gemacht.
Woran Sie die Ursache an der Wand selbst eingrenzen, beschreibt die Seite Kellerwand feucht: Ursache erkennen. Wenn Sie Ursache und Messwerte schriftlich brauchen, erstelle ich ein Kellergutachten.
Viele Angebote für eine Kellerabdichtung entstehen nach einem kurzen Rundgang. Das ist nicht unseriös, aber es ersetzt keine Untersuchung. Das WTA-Merkblatt 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“ in der Ausgabe von Dezember 2024, die Fachregel für die Abdichtung im Bestand, stellt die Voruntersuchung an den Anfang jeder Planung. In diesem Beitrag erkläre ich, was dazugehört und wie Sie prüfen, ob sie stattgefunden hat.
Woran Sie erkennen, dass die Voruntersuchung fehlt
- Das Verfahren steht vor dem Befund: Im Angebot steht gleich „Injektion“ oder „Innenabdichtung“, aber kein Wort dazu, woher das Wasser kommt.
- Keine Messwerte: Es gibt keine Angaben zur Feuchte in verschiedenen Höhen und Wandtiefen, nur den Eindruck „Wand ist nass“.
- Eine Wasserklasse ohne Herleitung: „W1-E“ steht im Angebot, aber es bleibt offen, warum kein Stau- oder Grundwasser in Frage kommt.
- Kondensat wurde nicht ausgeschlossen: Niemand hat Raumklima und Oberflächentemperatur gemessen, obwohl die Wand vor allem im Sommer feucht ist.
- Die Nutzung ist offen: Es ist nicht festgehalten, ob der Keller Lager bleibt oder Hobbyraum werden soll.
- Salze kommen nicht vor: Weiße Ausblühungen sind sichtbar, im Angebot steht aber nichts zur Salzbelastung.
Trifft einer dieser Punkte zu, lohnt es sich, vor der Unterschrift nachzufragen. Weitere Fragen an ein Angebot sammelt der Beitrag Sanierungsangebot prüfen.
Ursachen und Einordnung: Was vor der Planung auf dem Tisch liegen sollte
Das Merkblatt verlangt, dass Ursache und Umfang der Feuchte ermittelt werden, bevor eine Abdichtung geplant wird. Es verlangt außerdem, andere Ursachen auszuschließen. Dazu gehören Tauwasser aus der Raumluft, ein Leck in einer Leitung und Feuchte, die aus der Nutzung des Raums stammt. Aus meiner Sicht lässt sich das in sechs Fragen zusammenfassen.
1. Woher kommt die Feuchte?
Wasser von außen durch die Wand, Feuchte, die im Mauerwerk aufsteigt, Kondensat aus der Luft, Salze, die Feuchte anziehen, oder eine undichte Leitung: Jede Ursache verlangt eine andere Maßnahme. Oft wirken mehrere zusammen. Wie sich die Muster unterscheiden, erklärt der Beitrag Nasse Wände im Keller.
2. Welches Wasser steht am Bauteil an?
Ob nur Bodenfeuchte vorliegt oder sich zeitweise Wasser vor der Wand staut, entscheidet über die Wasserklasse und damit über die Bauart. Dazu gehören die Frage nach dem höchsten zu erwartenden Wasserstand, die Durchlässigkeit des Bodens und der Zustand einer vorhandenen Dränung, also ob sie Wasser noch dauerhaft und ohne Rückstau ableitet. Am Hang ist das im Oberbergischen und im Bergischen Land eine häufige Frage. Was die Klassen bedeuten, steht im Beitrag DIN 18533 erklärt.
3. Wie ist das Bauteil aufgebaut?
Ziegel, Beton, Bruchstein oder ein Mix aus allem, mit oder ohne alte Abdichtung, mit Putz, Anstrich oder Verkleidung: Der Wandaufbau bestimmt, welche Abdichtung überhaupt haftet und hält. Pläne und frühere Rechnungen helfen, müssen aber mit dem tatsächlichen Zustand abgeglichen werden. Auch Risse gehören hierher, denn die Abdichtung muss die Risse überbrücken können, mit denen am Untergrund zu rechnen ist.
4. Wie feucht und wie salzbelastet ist die Wand?
Eine einzelne Messung an der Oberfläche sagt wenig. Aussagekräftig ist die Verteilung der Feuchte über die Höhe, über mehrere Wände und bei Bedarf in die Tiefe. Salze wie Sulfate, Chloride und Nitrate ziehen Feuchte aus der Luft und greifen Putze und Beschichtungen an. Sie beeinflussen die Wahl des Abdichtungssystems und des Putzes darauf. Mehr dazu im Beitrag Hygroskopische Feuchte.
5. Was ist bei Standsicherheit und Umfeld zu beachten?
Wer außen aufgräbt, nimmt der Wand für eine Zeit den Erddruck. Fundamente dürfen nicht untergraben werden, Gewölbe und Leitungen sind zu beachten. Bei Injektionen spielt der Druck eine Rolle, mit dem gearbeitet wird. Diese Fragen müssen vor Baubeginn beantwortet sein, nicht erst in der Baugrube.
6. Wie soll der Keller genutzt werden?
Ein Lagerraum für Gartenmöbel stellt andere Anforderungen als ein Gästezimmer. Die Nutzung bestimmt die Raumnutzungsklasse und damit, wie trocken der Raum werden muss. Auch Heizung, Lüftung und Möblierung gehören in diese Überlegung. Mehr dazu im Beitrag Raumnutzungsklassen im Keller.
Wird ein Kellerraum als Aufenthaltsraum oder Arbeitsplatz genutzt, weist das Merkblatt zudem auf die Prüfung der Radonkonzentration hin. Hintergründe stehen auf der Seite Radon.
In manchen Fällen reicht der Blick von innen und außen nicht. Dann braucht es eine Bauteilöffnung oder eine kleine Grabung an der Außenwand, einen sogenannten Schurf, um den Wandaufbau und eine alte Abdichtung zu sehen.
Was ich vor Ort prüfe
Beim Analysetermin sehe ich mir den Keller innen, das Haus außen und das Umfeld an. Der Termin dauert meist 1 bis 4 Stunden.
- Materialfeuchte: mit einem kapazitiven Messverfahren in mehreren Höhen und an mehreren Wänden. Mehr zur Feuchtemessung im Mauerwerk.
- Oberflächentemperatur und Raumklima: damit Kondensat nicht mit Wasser von außen verwechselt wird.
- Außen am Haus: Gelände, Hangseite, Rinnen, Fallrohre, Lichtschächte, Sockel und Pflaster.
- Wandaufbau und frühere Sanierungen: Putz, Anstriche, hohle Stellen, alte Bohrlochreihen.
- Unterlagen: Pläne, Fotos und vorhandene Angebote.
Beim Analysetermin selbst entnehme ich keine Proben. Braucht es ein Feuchteprofil aus der Tiefe oder eine Salzanalyse, kostet die Probenentnahme ab 120 € je Beprobung und die Laboranalyse ab 75 € je Probe, jeweils inkl. MwSt. Beides berechne ich gesondert und spreche es vorher mit Ihnen ab.
Das Ergebnis bekommen Sie mündlich vor Ort. Im Gutachten halte ich Befund, Fotos, Messwerte und Ursache schriftlich fest, meist 1 bis 2 Wochen nach dem Termin. Im Sanierungskonzept plane ich darauf aufbauend die Maßnahmen und ihre Reihenfolge.
Was Sie selbst vorbereiten können
- Beobachtungen notieren: Wo ist es feucht, seit wann, und ändert es sich mit Regen, Jahreszeit oder Lüften?
- Fotos mit Datum: am besten über mehrere Wochen, auch nach Starkregen. Fotos können Sie über das Anfrageformular hochladen.
- Unterlagen suchen: Baupläne, frühere Rechnungen, Angaben zu einer Dränung.
- Nutzung überlegen: Was soll der Keller künftig leisten?
- Angebote sammeln: Liegen schon Angebote vor, bringen Sie sie zum Termin mit.
Typische Fehlentscheidungen
- Angebot nach Augenschein unterschreiben: Ohne Messung bleibt offen, ob das Verfahren zur Ursache passt. Beispiele stehen im Beitrag Wenn das Verfahren nicht zur Ursache passt.
- Nur eine Ursache suchen: Am Hang kommen Wasser von außen, aufsteigende Feuchte und Sommerkondensat oft zusammen.
- Die Dränung für funktionsfähig halten: Eine alte, verschlammte Dränung leitet kein Wasser mehr ab. Die Einstufung als Bodenfeuchte setzt aber eine funktionierende voraus.
- Salze übersehen: Die Wand bleibt dann auch nach der Abdichtung an der Oberfläche feucht.
- Die Nutzung erst nachher festlegen: Wer später einen Hobbyraum möchte, hat für den Lagerkeller geplant.
Wann Sie einen Gutachter brauchen und wann nicht
Eher nicht nötig ist eine Voruntersuchung durch einen Sachverständigen, wenn die Ursache offen liegt, etwa ein abgerissenes Fallrohr, und die Wand nach der Reparatur abtrocknet. Auch ein selten genutzter Lagerkeller mit etwas Feuchte, die niemanden stört, braucht nicht zwingend eine Untersuchung.
Sinnvoll ist sie, wenn ein Angebot über eine Abdichtung oder Injektion vorliegt, wenn mehrere Angebote mit verschiedenen Verfahren nicht zusammenpassen, wenn eine frühere Sanierung nicht gehalten hat oder wenn der Keller zu Wohnraum werden soll. Bereiten Sie eine Ausschreibung vor, gehört die Voruntersuchung in die Unterlagen. Mehr dazu im Beitrag Feuchtesanierung ausschreiben.
Häufige Fragen
Ist eine Voruntersuchung Pflicht?
Ein Gesetz schreibt sie nicht vor. Das WTA-Merkblatt 4-6 sieht sie aber als Grundlage jeder Planung einer nachträglichen Abdichtung. Ohne sie lässt sich kaum begründen, warum eine bestimmte Abdichtung die richtige ist.
Kann der ausführende Betrieb die Voruntersuchung selbst machen?
Das ist möglich. Nach dem Merkblatt trägt der ausführende Betrieb die Verantwortung für die technische Planung, wenn kein eigener Planer beauftragt ist. Wichtig ist, dass die Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert sind, mit Messwerten und Begründung.
Reicht ein Feuchtemessgerät aus dem Baumarkt?
Für einen ersten Eindruck vielleicht. Einfache Geräte zeigen aber Vergleichswerte, keinen Wassergehalt, und Salze verfälschen die Anzeige. Für die Planung braucht es ein Bild über mehrere Höhen und Wände und bei Bedarf Proben aus der Tiefe.
Was kostet die Voruntersuchung?
Der Analysetermin kostet ab 510 €, das Gutachten ab 1.370 €, das Sanierungskonzept ab 1.890 €, jeweils inkl. MwSt. und Anfahrt. Der Analysetermin wird auf ein Gutachten oder Sanierungskonzept angerechnet. Proben und Laboranalysen kommen gesondert hinzu.
Sie wollen wissen, was in Ihrem Keller vor einer Abdichtung geklärt sein muss? Schreiben Sie mir kurz, wo es feucht ist und was angeboten wurde, gern mit Fotos über das Formular. Den Überblick über das ganze Vorgehen gibt der Ratgeber Feuchter Keller. Mein Büro liegt in Nümbrecht, ich bin im Umkreis von etwa einer Stunde Fahrzeit tätig. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, einen Vor-Ort-Termin in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen. Analysetermin anfragen
Quellen
- WTA-Merkblatt 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“, Ausgabe 12.2024, WTA International e.V., Abschnitte 1, 2 und 2.1
Weiterlesen
Passende Artikel
-
Keller · ca. 7 Minuten
Ausführungsprotokolle bei der Kellerabdichtung: Was ein Fachbetrieb dokumentieren sollte
Untergrund, Material, Schichtdicken, Anschlüsse, Trocknung: Welche Angaben in die Dokumentation einer Kellerabdichtung gehören, warum sie Ihnen später nützen und was Sie vorher vereinbaren sollten.
-
Keller · ca. 7 Minuten
Wann ist eine Kellerabdichtung erfolgreich? Abdichtungsziele und Trocknungszeit
Was als Erfolg einer Kellerabdichtung gilt, wenn nichts vereinbart ist, warum die Wand oft Jahre zum Trocknen braucht und welche Punkte Sie vor der Unterschrift im Angebot festhalten sollten.
-
Keller · ca. 5 Minuten
Keller zum Wohnraum ausbauen: Was Sie vorher prüfen sollten
Ein ausgebauter Keller schafft Platz – oder Probleme. Feuchte, Radon, Lüftung und Bauordnungsrecht: Diese Punkte sollten vor dem Ausbau geklärt sein.
-
Keller · ca. 5 Minuten
7 Irrtümer bei der Kellerabdichtung
Noppenbahn gleich Abdichtung? Lüften hilft immer? Sieben verbreitete Annahmen rund um den feuchten Keller und was tatsächlich dahintersteckt.
Schildern Sie mir Ihren Fall
Beschreiben Sie kurz, was Sie beobachten, oder rufen Sie mich an. Ich melde mich werktags innerhalb von 24 Stunden und bespreche die nächsten Schritte.
Die Anfrage ist unverbindlich.

Luca Marino FallerBausachverständiger, Büro Nümbrecht. Ich lese jede Anfrage selbst.
Danke für Ihre Anfrage.
Sie ist bei mir angekommen. Ich melde mich werktags innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen. Einen Termin vor Ort bekommen Sie in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen.
Eilt es? Rufen Sie mich an: 02293 9387021
Bitte versuchen Sie es noch einmal, oder schreiben Sie direkt an [email protected]. Telefonisch: 02293 9387021.

Gutachten zu Schäden an Gebäuden
Nasse Wände, feuchter Keller, Salzränder am Putz:
Ich messe und unterscheide, ob Feuchte aufsteigt, von außen eindringt oder als Kondensat entsteht. Davon hängt ab, welche Sanierung überhaupt hilft.
Nicht jeder Riss ist gefährlich. Ich bewerte Verlauf und Breite und sage Ihnen, ob der Riss nur optisch stört, beobachtet werden sollte oder ein Statiker ihn prüfen muss.
Radon ist ein radioaktives Gas, das man weder sieht noch riecht.
Ich messe die Belastung in Ihren Räumen, vergleiche sie mit dem gesetzlichen Referenzwert von 300 Bq/m³ und sage Ihnen, ob Maßnahmen nötig sind.
Schimmel ist meist nur das Symptom. Ich kläre, ob Feuchtigkeit von außen, eine Wärmebrücke oder das Lüften dahintersteckt, damit er nach dem Entfernen nicht wiederkommt.
Abplatzungen, Rostfahnen, freiliegende Bewehrung:
Ich beurteile, wie weit die Korrosion fortgeschritten ist und welche Instandsetzung die Bausubstanz dauerhaft sichert.
Ein feuchter Keller hat selten nur eine Ursache. Ich prüfe Abdichtung, Wände und Nutzung und zeige Ihnen, welche Maßnahme zu Ihrem Keller passt und welche Sie sich sparen können.
Streusalz, undichte Fugen, Risse in der Bodenplatte: Ich untersuche Ihre Tiefgarage. Eigentümergemeinschaften und Verwaltungen erhalten eine belastbare Grundlage für Beschluss und Sanierung.
Feuchte Flecken unter der Platte, lose Fliesen, rostiges Geländer: Ich prüfe Abdichtung, Gefälle und Anschlüsse und sage Ihnen, ob eine Reparatur reicht oder der Aufbau erneuert werden muss.

