Ausführungsprotokolle bei der Kellerabdichtung: Was ein Fachbetrieb dokumentieren sollte
Von Luca Marino Faller, Bausachverständiger aus Nümbrecht
Blog · ca. 7 Minuten · October 9, 2026
Untergrund, Material, Schichtdicken, Anschlüsse, Trocknung: Welche Angaben in die Dokumentation einer Kellerabdichtung gehören, warum sie Ihnen später nützen und was Sie vorher vereinbaren sollten.

Kurz gesagt: Eine Kellerabdichtung verschwindet nach der Ausführung hinter Erdreich, Putz oder Estrich. Was dort tatsächlich eingebaut wurde, zeigt später nur die Dokumentation. Das WTA-Merkblatt 4-6 zählt sie ausdrücklich zur Qualitätssicherung, neben sachkundiger Planung, fachgerechter Ausführung und geprüften Produkten. Vereinbaren Sie deshalb vor Auftragsvergabe, dass Ausführungsprotokolle geführt und Ihnen übergeben werden.
Woran Sie das Schadensbild erkennen, beschreibt die Seite Kellerabdichtung nachträglich: Wann sie sinnvoll ist. Mit einem Kellergutachten erhalten Sie Befund, Messwerte und Ursache schriftlich.
Wenn ein Keller nach der Sanierung wieder feucht wird, beginnt oft die Suche nach dem Grund. Lag es an der Planung, an der Ausführung, an einer Ursache, die niemand gesehen hat? Ohne Unterlagen lässt sich das kaum klären, denn die Abdichtung selbst ist nicht mehr sichtbar. Das WTA-Merkblatt 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“ in der Ausgabe von Dezember 2024 enthält deshalb ein eigenes Kapitel zur Qualitätssicherung. Hier erkläre ich, was davon für Sie als Bauherr wichtig ist.
Woran Sie erkennen, dass die Qualitätssicherung zu kurz kommt
- Im Angebot steht nichts zur Dokumentation: weder Bautagebuch noch Protokolle noch Fotos.
- Das Material bleibt vage: „Dichtschlämme“ oder „Bitumenbeschichtung“ ohne Angabe des Systems und seines Eignungsnachweises.
- Keine Schichtdicke genannt: Es ist offen, wie dick die Abdichtung werden soll und wie das kontrolliert wird.
- Verfüllt wird am selben Tag: Die Baugrube wird geschlossen, bevor die Abdichtung durchgetrocknet sein kann.
- Fragen zur Qualifikation bleiben unbeantwortet: Der Betrieb kann keine Schulung oder Ausbildung für nachträgliche Abdichtungen nennen.
Ursachen und Einordnung: Woraus Qualität bei der Kellerabdichtung besteht
Das Merkblatt nennt vier Bausteine, die zusammen die Qualität einer nachträglichen Abdichtung bestimmen. Ich fasse sie in eigenen Worten zusammen.
- Planung: Die Abdichtung muss auf einer Voruntersuchung beruhen und schriftlich geplant sein, mit Wasserklasse, Nutzung, Ziel und Bauart. Mehr dazu im Beitrag Voruntersuchung vor der Kellerabdichtung.
- Ausführung: Sie folgt der Planung und den Vorgaben des Herstellers. Weicht der Betrieb ab, sollte das begründet und abgestimmt sein.
- Produkte mit Nachweis: Verwendet werden Stoffe, deren Eignung für den Einsatz nachgewiesen ist, etwa über ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder eine WTA-Zertifizierung. Für Innenabdichtungen sieht das Merkblatt eine eigene WTA-Prüfung vor.
- Dokumentation: Die Arbeiten werden in einem Bautagebuch oder in Ausführungsprotokollen festgehalten.
Dazu kommt die Qualifikation der Leute auf der Baustelle. Nach dem Merkblatt sollen ausführende Betriebe ihre Fachkunde und eine auf die Maßnahme abgestimmte Qualifikation belegen können, zum Beispiel über eine Fachausbildung oder Schulungsnachweise für nachträgliche Abdichtungen. Außerdem nennt es Eigenüberwachung durch den Betrieb und, wo vereinbart, eine Überwachung durch Dritte.
Was in die Dokumentation gehört
Die folgende Liste ist meine eigene Zusammenstellung aus Sicht des Sachverständigen. Sie zeigt, welche Angaben mir später helfen, eine Abdichtung zu beurteilen.
Rahmen und Grundlage
- Objekt, Bauteil und Zeitraum: welche Wand, welcher Boden, an welchen Tagen gearbeitet wurde.
- Planung: auf welches Konzept oder Leistungsverzeichnis sich die Arbeiten stützen, mit Wasserklasse und Bauart.
- Witterung und Klima: Temperatur von Luft und Bauteil, Luftfeuchte. Flüssige Abdichtungen brauchen nach dem Merkblatt in der Regel mindestens 5 °C, und die Oberfläche muss deutlich wärmer sein als der Taupunkt der Luft, damit sich kein Tauwasser darauf bildet.
Untergrund und Vorbereitung
- Was vorgefunden wurde: Baustoff, alte Abdichtung, Putz, Risse, hohle Stellen, Salze.
- Wie geprüft wurde: etwa durch Abwischen, Ankratzen und Abklopfen der Fläche, um lose Teile, Sinterschichten und Hohlstellen zu finden.
- Wie vorbereitet wurde: Abtragen, Ausbessern, Ausgleichen, Ausrunden der Ecken.
- Alte Abdichtung: ob sie entfernt oder überarbeitet wurde. Soll eine alte Abdichtung bleiben, sieht das Merkblatt eine Probefläche vor, an der die Haftung geprüft wird.
Material und Auftrag
- System: Hersteller, Produkt und Eignungsnachweis, bei Bedarf auch die Charge.
- Aufbau: Grundierung, Zahl der Lagen, eventuelle Verstärkungseinlage.
- Schichtdicke: Sollwert und Kontrolle, etwa über Messungen der frischen Schicht und über den Materialverbrauch je Fläche.
- Wartezeiten: wann die nächste Lage aufgetragen und wann die Durchtrocknung geprüft wurde.
Details
- Anschlüsse: an Bodenplatte, Horizontalsperre, Innenwände und eine vorhandene Abdichtung.
- Durchdringungen: Rohre, Kabel, Abläufe und wie sie eingebunden wurden.
- Fugen und Übergänge: etwa zwischen einer Innen- und einer Außenabdichtung.
Abschluss
- Schutzschicht und Verfüllung: was vor die Abdichtung kam und wann verfüllt wurde. Eine Schutzschicht darf nach dem Merkblatt erst auf die durchgetrocknete Abdichtung.
- Fotos: von jedem Arbeitsschritt, mit Datum und Ort, bevor er verdeckt wird.
- Abweichungen: was anders gemacht wurde als geplant und warum.
Wie der Erfolg nachgewiesen wird
Die Dokumentation zeigt, wie gearbeitet wurde. Ob die Abdichtung wirkt, ist eine zweite Frage. Das Merkblatt sieht einen Nachweis der Wirksamkeit vor, soweit er möglich ist und gesondert vereinbart wurde, zum Beispiel über Feuchtemessungen, die vorher und nachher verglichen werden. Das sollten Sie im Vertrag regeln, mit festgelegten Messpunkten, Messverfahren und Zeitpunkten. Warum die Wand dafür Zeit braucht, erkläre ich im Beitrag Wann ist eine Kellerabdichtung erfolgreich?
Was ich prüfe und wie ich begleite
Ich kann an drei Stellen ansetzen:
- Vorher: Beim Analysetermin messe ich die Feuchteverteilung und das Raumklima und kläre die Ursache. Im Sanierungskonzept plane ich die Maßnahmen, auf Wunsch mit einem Leistungsverzeichnis. Damit entstehen Angebote auf derselben Grundlage.
- Während der Ausführung: Auf Wunsch übernehme ich die Bauleitung beziehungsweise begleite die Ausführung der Sanierung. Dann achte ich darauf, dass nach der Planung gearbeitet und dokumentiert wird.
- Nachher: Eine Feuchte-Nachmessung nach der Abdichtung biete ich an, gesondert nach Aufwand abgerechnet. Alle Unterlagen, die Sie mir senden, etwa Protokolle, Fotos und Angebote des Fachbetriebs, sichte ich und ordne sie im Termin ein. Je vollständiger sie sind, desto genauer lässt sich eine Ursache eingrenzen.
Mehr dazu im Beitrag Nach der Sanierung wieder feucht.
Typische Fehlentscheidungen
- Dokumentation nicht vereinbaren: Was nicht im Vertrag steht, wird oft auch nicht geliefert.
- Nur das Ergebnis fotografieren: Ein Foto der fertigen Wand zeigt nicht, was darunter liegt.
- Verfüllen ohne Freigabe: Ist die Grube zu, lässt sich eine Fehlstelle nur mit neuem Aushub finden.
- Material austauschen ohne Rücksprache: Ein anderes Produkt kann andere Schichtdicken und Wartezeiten verlangen.
- Keine Ausgangsmessung: Ohne Werte von vorher fehlt der Vergleich für den Nachweis.
Wann Sie einen Gutachter brauchen und wann nicht
Eher nicht nötig ist ein Sachverständiger, wenn ein erfahrener Betrieb eine kleine, klar umrissene Maßnahme ausführt und Ihnen Protokolle und Fotos übergibt.
Sinnvoll ist eine unabhängige Einschätzung, wenn Sie vor einer größeren Abdichtung eine belastbare Grundlage für die Ausschreibung brauchen, wenn eine Hausverwaltung Angebote für die Eigentümergemeinschaft vergleichen muss oder wenn der Keller nach der Sanierung wieder feucht wird. Hinweise für Verwaltungen finden Sie auf der Seite für Hausverwaltungen.
Häufige Fragen
Muss ein Betrieb ein Ausführungsprotokoll führen?
Das Merkblatt nennt die Dokumentation als Teil der Qualitätssicherung. Verbindlich für Ihren Auftrag wird sie, wenn Sie sie vereinbaren. Schreiben Sie in den Vertrag, dass Protokolle und Fotos geführt und Ihnen übergeben werden.
Was ist ein Eignungsnachweis?
Ein Nachweis, dass ein Abdichtungsstoff für den vorgesehenen Einsatz geprüft ist, etwa ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis. Für Innenabdichtungen gibt es zusätzlich eine eigene WTA-Prüfung, bei der das System Wasserdruck von der Rückseite standhalten muss.
Ist eine dünnere Schicht automatisch ein Mangel?
Nicht automatisch. Das Merkblatt weist selbst darauf hin, dass eine Unterschreitung der Mindestschichtdicke nicht zwangsläufig heißt, dass die Abdichtung nicht funktioniert. Die Schichtdicke ist aber ein wichtiger Prüfpunkt, und Abweichungen gehören dokumentiert.
Was kostet die Einschätzung?
Der Analysetermin kostet ab 510 €, das Gutachten ab 1.370 €, das Sanierungskonzept ab 1.890 €, jeweils inkl. MwSt. und Anfahrt. Der Analysetermin wird auf ein Gutachten oder Sanierungskonzept angerechnet. Das Leistungsverzeichnis erstelle ich nach Angebot.
Sie planen eine Kellerabdichtung und wollen die Qualität von Anfang an sichern? Schreiben Sie mir kurz, was ansteht und welche Angebote vorliegen, gern mit Fotos über das Formular. Den Überblick über das Vorgehen gibt der Ratgeber Feuchter Keller. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, einen Vor-Ort-Termin in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen. Analysetermin anfragen
Quellen
- WTA-Merkblatt 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“, Ausgabe 12.2024, WTA International e.V., Abschnitte 3, 4.4, 4.5 und 8
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