Risse beim Hauskauf: welche harmlos sind und welche Sie prüfen lassen sollten
Von Luca Marino Faller, Bausachverständiger aus Nümbrecht
Blog · ca. 7 Minuten · October 19, 2026
Risse bei der Besichtigung? Woran Sie harmlose Putzrisse von Rissen mit Bewegung unterscheiden, was Sie fotografieren sollten und wann ein Befund vor dem Notartermin hilft.

Kurz gesagt: Die meisten Risse, die Käufer bei einer Besichtigung sehen, sind feine Putzrisse ohne Folgen für das Haus. Prüfen lassen sollten Sie Risse, die durch das Mauerwerk gehen, keilförmig auseinanderlaufen, innen und außen an derselben Stelle auftreten oder mit klemmenden Türen und schiefen Böden zusammenfallen. Beim Kauf fehlt meist die Zeit, einen Riss monatelang zu beobachten. Umso wichtiger ist ein Befund vor dem Notartermin.
Ein Riss über der Kellertür, ein feines Netz an der Fassade, eine Fuge zwischen Haus und Anbau: Risse fallen bei fast jeder Besichtigung eines älteren Hauses auf. Hier geht es darum, wie Sie als Käufer damit umgehen. Was Rissformen und Rissbreiten allgemein bedeuten, beschreiben die Beiträge Risse im Putz: fünf Warnsignale und Risse und Betonschäden.
Woran Sie es bei der Besichtigung selbst erkennen
Für einen ersten Überblick brauchen Sie eine Taschenlampe, ein Handy und etwas Zeit. Achten Sie auf diese Punkte:
- Nur im Putz oder im Mauerwerk: Feine, unregelmäßige Netzrisse in der Fläche stammen meist vom Putz selbst. Ein Riss, der den Fugen des Mauerwerks folgt oder durch Steine läuft, reicht tiefer.
- Form: Treppenförmige oder schräge Risse von Fenster- und Türecken, ein Riss, der an einem Ende deutlich breiter ist als am anderen, oder ein waagerechter Riss in einer Kellerwand sind Gründe für einen genaueren Blick.
- Innen und außen: Finden Sie denselben Riss an der Innen- und der Außenseite einer Wand, geht er durch das Bauteil.
- Begleitzeichen: Klemmende Türen und Fenster, schräge Fensterbänke, ein Ball, der auf dem Boden wegrollt, oder ein Spalt zwischen Fußleiste und Boden.
- Kellerwände und Bodenplatte: Kommt durch einen Riss Wasser, sehen Sie Rostspuren, weiße Krusten oder Feuchteränder daneben.
- Frisch verspachtelte Stellen: Eine glatte Linie im sonst alten Putz kann ein zugespachtelter Riss sein. Ist er wieder aufgegangen, ist das ein wichtiger Hinweis.
- Umgebung: Hanglage, große Bäume nah am Haus, ein Anbau aus anderer Zeit oder eine Baustelle auf dem Nachbargrundstück.
Fotografieren Sie jeden auffälligen Riss zweimal: einmal aus Abstand, damit die Lage im Raum erkennbar ist, und einmal nah mit einem Maßstab daneben, etwa einem Zollstock. Notieren Sie Raum und Wand. Diese Fotos helfen mir bei der Einschätzung und Ihnen später beim Vergleich.
Fragen Sie den Verkäufer, seit wann es den Riss gibt, ob er schon einmal geschlossen wurde, ob er beobachtet wurde und ob am Haus oder in der Nachbarschaft gebaut wurde.
Ursachen und Einordnung
Für Ihre Kaufentscheidung zählen zwei Fragen: Ist der Riss zur Ruhe gekommen, und was hat ihn verursacht?
Schwinden und Temperatur: Putz, Mörtel und Estrich ziehen sich beim Austrocknen zusammen, Außenwände arbeiten zwischen Sommer und Winter. Daraus entstehen feine Risse, die meist ruhend sind. Sie stören vor allem die Optik und werden beim nächsten Anstrich oder Putz behoben. Wie Putzrisse an Fassaden beurteilt und instandgesetzt werden, beschreibt das WTA-Merkblatt 2-4.
Übergänge: Wo Baustoffe wechseln, wo ein Anbau an das alte Haus stößt oder wo Holz und Mauerwerk zusammentreffen, bewegen sich die Teile unterschiedlich. Ein Riss an dieser Stelle ist häufig, aber nicht immer harmlos. Entscheidend ist, ob er sich weiter öffnet.
Setzungen: Gibt der Baugrund unter einem Teil des Hauses nach, entstehen oft schräge oder treppenförmige Risse, die zu einer Seite breiter werden. Das kann lange her und abgeschlossen sein. Es kann aber auch weitergehen, etwa wenn sich die Feuchte im Boden ändert. Im Bergischen Land, im Oberbergischen Kreis und im Sauerland stehen viele Häuser am Hang. Dort kommt es auch auf Wasser an der Bergseite und den Zustand des Kellers an, siehe Haus am Hang. Die Unterscheidung erklärt die Seite Setzrisse und Spannungsrisse.
Wasser und Rost: Rissige Betonbauteile an Balkon, Kellertreppe oder Garage mit Rostspuren gehören in eine eigene Gruppe. Dort geht es um den Stahl im Beton. Mehr im Beitrag Betonabplatzungen am Balkon.
Eine Orientierung zur Breite gibt eine verbreitete Einteilung des britischen Building Research Establishment (BRE Digest 251). Sie ordnet Risse nach dem Aufwand der Reparatur: Haarrisse unter etwa 0,1 mm als vernachlässigbar, Risse bis etwa 1 mm als fein und mit normalen Malerarbeiten zu beheben, bis etwa 5 mm als leicht zu schließen. Ab etwa 5 mm wird es aufwendiger, und Gebrauch und Dichtheit des Hauses können betroffen sein. Das BRE betont selbst, dass die Breite allein nicht reicht. Ein schmaler Riss, der jeden Monat breiter wird, ist ernster als ein breiter, der seit Jahrzehnten ruht.
Was ich bei einer Begehung vor dem Kauf prüfe
- Rissbild aufnehmen: Verlauf, Breite, Länge, Lage im Bauteil, mit Fotos. Ich messe die Rissbreite und sehe nach, ob der Riss innen und außen durchgeht.
- Zusammenhänge suchen: Gehören mehrere Risse zu einer gemeinsamen Ursache? Passen sie zu einer Ecke des Hauses, zu einem Anbau oder zur Hangseite?
- Begleitzeichen prüfen: Türen, Fenster, Böden, Anschlüsse von Treppen und Decken.
- Feuchte messen: Kommt durch Risse in Kellerwand oder Bodenplatte Wasser, messe ich die Materialfeuchte daneben.
- Beton ansehen: Balkon, Kellertreppe, Garage und bei Wohnungen nach Absprache auch die Tiefgarage, wenn Zugang besteht.
Ob sich ein Riss noch bewegt, zeigt erst eine Messung über Wochen oder Monate. Dafür kann ich beim Termin Messmarken setzen, siehe Rissmonitoring. Vor einem nahen Notartermin liegt dieses Ergebnis meist noch nicht vor. Dann sage ich Ihnen offen, was sich am Termin beurteilen lässt und was offen bleibt. Wie ich Risse untersuche, steht auf der Seite Rissanalyse und Rissgutachten.
Was ein Riss für Kauf und Vertrag bedeutet
Einen Riss, den Sie bei der Besichtigung gesehen haben, kennen Sie beim Kauf. Wegen bekannter Mängel hat der Käufer grundsätzlich keine Rechte mehr (§ 442 BGB). Bleibt ihm ein Mangel aus grober Fahrlässigkeit unbekannt, hat er Rechte nur, wenn der Verkäufer ihn arglistig verschwiegen oder eine Garantie übernommen hat. Den Riss müssen Sie deshalb vorher einordnen und im Preis oder im Vertrag berücksichtigen.
Ein vager Verdacht hilft Ihnen dabei wenig. Der Bundesgerichtshof hat im Februar 2026 klargestellt, dass ein bloßer Mangelverdacht nur in Sonderfällen selbst ein Sachmangel ist, etwa beim Verdacht auf Hausschwamm (Beschluss vom 26. Februar 2026, V ZR 83/25). Sonst muss der Mangel festgestellt werden. Was das für Ihren Vertrag bedeutet, klären Sie mit dem Notar oder anwaltlich. Ich liefere den bautechnischen Befund, keine Rechtsberatung. Wie Sie einen Befund in die Verhandlung einbringen, beschreibt der Beitrag Mängelbefund und Preisverhandlung.
Typische Fehlentscheidungen
- Jeden Riss als Setzung deuten: Die meisten Risse in älteren Häusern sind Putz- und Schwindrisse.
- Nur auf die Breite schauen: Bewegung, Form und Lage sagen mehr als ein einzelner Millimeterwert.
- Frisch Verspachteltes übersehen: Ein geschlossener Riss ist nicht unbedingt ein erledigter Riss.
- Auf eine Sanierung nach dem Kauf setzen, ohne die Ursache zu kennen: Wer einen aktiven Riss verpresst oder überputzt, sieht ihn oft an derselben Stelle wieder. Mehr dazu im Beitrag Risse verpressen oder vernadeln.
Wann Sie einen Gutachter brauchen und wann nicht
Nicht nötig ist eine Begehung bei feinen Netzrissen im Putz ohne Begleitzeichen, bei einzelnen Haarrissen an Deckenrändern oder an Gipskartonfugen.
Sinnvoll ist sie, wenn ein Riss durch das Mauerwerk geht, keilförmig ist, innen und außen sichtbar ist, Wasser durchlässt, wieder aufgegangen ist oder mit klemmenden Türen und schiefen Böden zusammenfällt. Für diese Fälle biete ich die Kaufbegleitung an. Ich sehe mir das Haus auf Schäden am Bau an und sage Ihnen das Ergebnis direkt vor Ort. Sie kostet ab 510 € inkl. MwSt. und Anfahrt, mit schriftlichem Bericht 690 €. Den Wert der Immobilie ermittle ich nicht.
Häufige Fragen
Ab welcher Rissbreite sollte ich vor dem Kauf misstrauisch werden?
Eine feste Grenze für jedes Haus gibt es nicht. Haarrisse unter etwa 0,1 mm sind in aller Regel unkritisch. Bei Rissen im Millimeterbereich, die durch das Mauerwerk gehen, lohnt der genauere Blick, vor allem wenn sie keilförmig sind oder Begleitzeichen dazukommen.
Kann man beim Termin sehen, ob ein Riss sich noch bewegt?
Nur eingeschränkt. Hinweise geben frische Rissflanken, wieder aufgegangene Spachtelstellen und Begleitzeichen. Sicher zeigt eine Bewegung erst eine Messung über Wochen oder Monate.
Sind Risse zwischen Altbau und Anbau ein Problem?
Häufig nicht. Zwei Bauteile aus verschiedenen Zeiten setzen und bewegen sich unterschiedlich. Ernst nehmen sollten Sie den Riss, wenn er sich weiter öffnet, Wasser durchlässt oder Türen und Böden am Übergang betroffen sind.
Was mache ich, wenn der Notartermin schon feststeht?
Klären Sie, was sich vor dem Termin beurteilen lässt. Ich begleite Sie auch kurzfristig zur Besichtigung. Bleibt eine Frage offen, besprechen Sie mit dem Notar, wie das im Vertrag berücksichtigt werden kann.
Sie haben ein Haus mit Rissen in der engeren Wahl? Schicken Sie mir Exposé und Ihre Rissfotos über das Kontaktformular und nennen Sie Besichtigungs- und Notartermin. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, ein Vor-Ort-Termin ist in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen möglich. Mehr für Kaufinteressenten steht auf der Seite für Käufer.
Quellen
- Building Research Establishment: BRE Digest 251, Assessment of damage in low-rise buildings, überarbeitete Ausgabe 1995
- Building Research Establishment: Assessing cracks in houses, https://bregroup.com/insights/assessing-cracks-in-houses/
- WTA-Merkblatt 2-4 „Beurteilung und Instandsetzung gerissener Putze an Fassaden“, Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 442 Kenntnis des Käufers, https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__442.html
- Bundesgerichtshof, Beschluss vom 26. Februar 2026, V ZR 83/25, Rn. 21 bis 24, https://www.rws-verlag.de/fileadmin/Volltexte-4/vzr_83_25.pdf
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Nasse Wände, feuchter Keller, Salzränder am Putz:
Ich messe und unterscheide, ob Feuchte aufsteigt, von außen eindringt oder als Kondensat entsteht. Davon hängt ab, welche Sanierung überhaupt hilft.
Nicht jeder Riss ist gefährlich. Ich bewerte Verlauf und Breite und sage Ihnen, ob der Riss nur optisch stört, beobachtet werden sollte oder ein Statiker ihn prüfen muss.
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