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- Fall 04
Aus der Praxis · Feuchte · Keller
Grundschule am Hang: 19 Räume, feuchte Wände und ein Konzept für den laufenden Betrieb
- Auftraggeber
- Öffentlicher Auftraggeber · Kommune
- Objekt
- Grundschule mit Ganztagsbetreuung, Hanglage
- Ort
- Werdohl, Märkischer Kreis
- Baujahr
- 1960
- Leistung
- Gutachten mit Sanierungskonzept und Leistungsverzeichnis
- Zeitraum
- Oktober 2026
Ergebnis in Kürze
In allen untersuchten Räumen an den erdberührten Wänden lag die Feuchteanzeige im Wand-Sohlen-Anschluss im Bereich „nass“. Zwei Ursachen überlagern sich: aufsteigende Feuchte ohne wirksame Horizontalsperre und seitlich eindringende Feuchte über die Hangseite. Empfohlen habe ich eine Sanierung von innen, raumweise in Bauabschnitten ausführbar, mit Leistungsverzeichnis für die Ausschreibung.
- Räume begangen und gemessen
- 19
- Digit am Wandfuß
- 224 bis 999
- Sanierungsvarianten verglichen
- 2
- Leistungsverzeichnis zur Ausschreibung
- 1
Ausgangslage
Worum es ging
Das Schulgebäude von 1960 liegt am Hang. Untergeschoss und hangseitiges Erdgeschoss sind unterschiedlich tief erdberührt, auf der Hangseite liegt das Gelände bis etwa 1,2 m über dem Fußboden im Erdgeschoss an. An diesen Wänden zeigten sich seit längerem Feuchteschäden.
Die Stadt beauftragte mich, die Schäden festzustellen, die Ursachen zu klären und ein Sanierungskonzept mit Leistungsverzeichnis zu erstellen, das im laufenden Schulbetrieb umsetzbar ist.
01 · Befund
Räume mit hoher Dringlichkeit
Auszug aus der Befundübersicht: sieben von 19 Räumen mit Dringlichkeit hoch. Messwerte je Raum im Wand-Sohlen-Anschluss und in 1,50 m Höhe.
-
R1
Waschküche, Untergeschoss
Großflächige Putz- und Farbabplatzungen oberhalb des Fliesenspiegels, Feuchtezonen bis unter die Decke.
999 / 3200,20 m / 1,50 m · Digit Hoch -
R2
Flur, Untergeschoss
Abplatzungen vom Sockel bis etwa 1,5 m, vor allem unter und neben den Fenstern.
394 / 2890,20 m / 1,50 m · Digit Hoch -
R8
Flur, Untergeschoss
Feuchteränder und Abplatzungen, Feuchtestreifen an der Heizungsleitung gesondert zu prüfen.
365 / 2110,20 m / 1,50 m · Digit Hoch -
R9
Bad, Untergeschoss
Höchste Werte im ganzen Gebäude, in beiden Messhöhen am Skalenende.
999 / 9990,20 m / 1,50 m · Digit Hoch -
R11
Treppenhalle, Erdgeschoss
Erhöhte Werte in beiden Höhen an der erdberührten Wand.
320 / 2790,20 m / 1,50 m · Digit Hoch -
R13
Halle, Erdgeschoss
Hangseite, das Gelände liegt bis etwa 1,2 m über dem Fußboden an.
320 / 2480,20 m / 1,50 m · Digit Hoch -
R17
Lager, Erdgeschoss
Gehört zu den am stärksten geschädigten Räumen, sichtbare Schäden trotz geringerer Werte in 1,50 m.
234 / 1790,20 m / 1,50 m · Digit Hoch
Dringlichkeit hoch: sichtbare Putz- bzw. Substanzschäden oder Aufenthaltsraum mit Werten „nass“ in 1,50 m Höhe. In einzelnen Räumen war die Durchfeuchtung messtechnisch auffällig, aber an der Oberfläche noch nicht sichtbar.

Abb. 1Waschküche im Untergeschoss: Putz- und Farbabplatzungen oberhalb des Fliesenspiegels. 
Abb. 2Flur im Untergeschoss: Abplatzungen vor allem unter und neben den Fenstern. 
Abb. 3Abplatzungen bis etwa 1,5 m Höhe an der erdberührten Wand. 
Abb. 4Erdgeschoss auf der Hangseite: Feuchteränder und Abplatzungen im Sockel. 
Abb. 5Feuchtezonen unter dem Fenster an der erdberührten Wand. 
Abb. 6Feuchteschäden in der Raumecke zwischen den Fenstern. 
Abb. 7Raum im Untergeschoss mit freigelegtem Mauerwerk. 
Abb. 8Abplatzungen im Sockelbereich einer hangseitigen Wand.
02 · Messung
Was die Messung zeigt
Je Raum zwei Messhöhen, Referenz an einer ungestörten Innenwand.
Kapazitive Feuchtemessung je Raum (Protimeter Surveymaster) · Skala 0 bis 999 Digit
- Ungestörte Innenwand
- 165 Digit
- Wand-Sohlen-Anschluss (0,20 m)
- 224 bis 999 Digit
- Oberer Wandbereich (1,50 m)
- 179 bis 999 Digit
- Schwelle
- ab 200 „nass“ laut Hersteller
03 · Ursache
Woher der Schaden kommt
Die Schäden beruhen auf zwei sich überlagernden Mechanismen, die in allen Sanierungsräumen gemeinsam wirken.
- Hauptursache
Seitlich eindringende Feuchte
Über die erdberührten Außenwände, deren Außenabdichtung in der Hanglage nicht mehr funktioniert. Schäden und erhöhte Werte reichen über 0,8 m, die Schadenshöhe folgt der Geländehöhe.
- Hauptursache
Kapillar aufsteigende Feuchte
Ohne wirksame Querschnittsabdichtung. Im Wand-Sohlen-Anschluss aller Räume lagen die Werte durchweg höher als in 1,50 m.
- verstärkend
Salze und dichte Oberflächen
Salze reichern sich in der Verdunstungszone an und sprengen den Putz. Fliesen und dichte Anstriche behindern die Austrocknung und schieben die Feuchtefront nach oben.
- möglich
Sickerwasser am Hang
Nach Niederschlägen örtlich erhöhte Wasserbeanspruchung, vor Ort zu prüfen.
Ohne Sanierung schreiten Durchfeuchtung und Salzschäden fort. Für die Nutzung als Schule ist zudem das Risiko von Schimmel und Geruch zu berücksichtigen.

Abb. 9Lagerraum: großflächige Feuchte- und Salzschäden an den Wänden. 
Abb. 10Abgeplatzter Putz unter dem Fenster einer erdberührten Wand.
Geprüft und ausgeschlossen
Was ich ausgeschlossen habe
Ein Schaden hat oft mehrere mögliche Ursachen. Bevor ich eine Ursache benenne, prüfe ich die anderen und sage, warum sie nicht passen.
Leitungswasser als Hauptursache
Die Schäden liegen flächig an allen erdberührten Wänden, auch dort, wo keine Leitungen verlaufen. Ein Feuchtestreifen an einer Heizungsleitung wird vor der Sanierung gesondert geprüft.
Tauwasser als Hauptursache
Die Schäden beschränken sich auf erdberührte Außenwände und den Wandfuß, mit Salzhorizont und nach unten zunehmenden Werten. Bei 59 bis 62 % Luftfeuchte entsteht Tauwasser erst unter etwa 11,5 bis 12,8 °C Oberflächentemperatur.
Regen über die Fassade
Schäden zeigen sich auch an vollständig erdberührten Wänden des Untergeschosses, die gar nicht bewittert werden.
Salze allein
Werte bis in den Sättigungsbereich und ein Schadensbild entlang der Geländehöhe zeigen einen dauerhaften Feuchtenachschub aus dem Erdreich.
04 · Empfehlung
Was zu tun ist
Varianten verglichen
Eine Außenabdichtung hätte Baugruben von etwa 2 bis 6 m Tiefe, Eingriffe in Außenanlagen und Fundamente und eine offene Baugrube auf dem Schulgelände bedeutet. Die Innenabdichtung lässt sich raumweise, in Teilabschnitten und in den Ferien ausführen.
Horizontalsperre
Paraffininjektion gegen aufsteigende Feuchte in jedem Sanierungsraum.
Innenabdichtung
Nach WTA-Merkblatt 4-6 mit Hohlkehle und Anschluss an die Bodenplatte, Schutzschicht je nach Raumnutzung. In der Eingangshalle genügen Horizontalsperre und Sanierputz.
Ausführung im Schulbetrieb
Raumweise in Bauabschnitten, laute und staubige Arbeiten bevorzugt in den Ferien, abgestimmt mit Schulleitung und Hausmeister.
Leistungsverzeichnis
Umfang, Mengen, Vorabprüfungen und Bauabschnitte für die Ausschreibung zusammengefasst.
Erfolgskontrolle
Prüfung an festgelegten Haltepunkten während der Ausführung und eine Abschlussbegehung zwei bis drei Jahre nach Fertigstellung.
Wie es weiterging
Die Stadt plant die Ausschreibung der Sanierung auf Grundlage des Leistungsverzeichnisses, mit Befund je Raum, Variantenvergleich und einem Ablauf, der im laufenden Schulbetrieb umsetzbar ist.
Transparenz
Grenzen der Untersuchung
- Visuelle Begutachtung und kapazitive Messung, zerstörungsfrei, ohne Bauteilöffnung.
- Die Einstufung je Raum ist vorläufig, Bohrmehlproben und Laboranalysen sind als Voruntersuchung vorgesehen.
- Oberflächentemperaturen wurden nicht gemessen.
Bewertet unter anderem nach
- DIN 18533-1 bis -3
- DIN 4095
- WTA-Merkblatt 4-6
- WTA-Merkblatt 4-9
- WTA-Merkblatt 4-10
- WTA-Merkblatt 2-9
- WTA-Merkblatt 4-5
- DIN 4123 und DIN 4124
- VOB/A und VOB/B
Der Fall ist anonymisiert: ohne Namen, Adressen und beteiligte Firmen. Fotos zeigen nur Bauteile.
Ihr Fall
Sie planen die Sanierung eines öffentlichen Gebäudes?
Ich untersuche Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäude, erstelle Sanierungskonzepte und Leistungsverzeichnisse für die Ausschreibung. Für öffentliche Auftraggeber erstelle ich ein schriftliches Angebot mit festen Paketpreisen.
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- 999
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