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Aus der Praxis · Schimmel · Miete & Recht
Schimmel in fünf Räumen: Was 35 Tage Klimamessung zeigen
- Auftraggeber
- Privat · Vermieter
- Objekt
- Mehrfamilienhaus, Mietwohnung
- Ort
- Oberbergischer Kreis
- Baujahr
- 1973
- Leistung
- Gutachten mit Langzeit-Klimamessung
- Zeitraum
- Januar bis April 2026
Ergebnis in Kürze
In einer Mietwohnung von 1973 war in fast allen Räumen Schimmel an Fensterstürzen, Deckenanschlüssen und Außenwänden. Vermieter und Mieter sahen die Ursache jeweils beim anderen. Ich habe 35 Tage lang Temperatur und Luftfeuchte gemessen und die Oberflächen mit dem Wärmebild geprüft. In der Küche lag die Luftfeuchte 57 % der Messzeit über 65 %, mit Spitzen bis 94 % am Nachmittag. Ein baulicher Mangel als Hauptursache war nicht festzustellen.
- Klimamessung im 5-Minuten-Takt
- 35 Tage
- der Messzeit über 65 % Luftfeuchte (Küche)
- 57 %
- höchste Luftfeuchte in der Küche
- 94,1 %
- Schimmelbefall nach UBA-Leitfaden
- Kategorie 3
- BefundOrtstermin mit Vermieter und Mietern, Befall in jedem Raum aufgenommen
- MessungKlimalogger in Küche und Schlafzimmer, 35 Tage, Wärmebild, Feuchtemessung
- UrsacheFeuchtespitzen, Oberflächentemperaturen und Bauteile gegeneinander abgewogen
- EmpfehlungRückbau Gipskarton, kapillaraktive Innendämmung, Lüften und Heizen
Ausgangslage
Worum es ging
Eine Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus von 1973. Die Innenwände sind mit Gipskarton verkleidet. In Küche, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Bad war deutlich sichtbarer Schimmel, im Wohnzimmer vereinzelt.
Der Vermieter wollte wissen, ob der Schimmel auf einen baulichen Mangel zurückgeht oder auf die Nutzung, also auf Lüften und Heizen. Bei einem einzelnen Ortstermin lässt sich das nicht seriös beantworten. Deshalb habe ich über fünf Wochen gemessen.
01 · Befund
Was ich vor Ort festgestellt habe
Der Befall saß fast überall an denselben Stellen: an Fensterstürzen, an Wand-Decken-Übergängen und an Außenwänden. Nur der innenliegende Flur war frei.
-
Schlafzimmer
Außenwand neben dem Bett vom Boden bis etwa 80 cm Höhe, fleckig und teils gelblich verfärbt. Eine nachträglich montierte Wandheizung hat den Befall nicht verhindert.
1,5 bis 2,25 m²Befallsfläche -
Kinderzimmer
Bandförmig entlang des Fenstersturzes über die ganze Breite, im Streifen zwischen Decke und Außenwand.
0,43 bis 0,86 m²Befallsfläche -
Bad
Fenstersturz und Fensterlaibung. Duschen und Baden bringen hier zusätzlich viel Feuchte in den Raum.
0,43 bis 0,75 m²Befallsfläche -
Küche
Linienförmig über die volle Fensterbreite, 10 bis 25 cm über dem Fenster, stellenweise auf die Decke übergreifend.
0,24 bis 0,65 m²Befallsfläche -
Wohnzimmer
Nur einzelne Stellen an der Fensterlaibung. Der größte und am meisten genutzte Raum war am wenigsten betroffen.
EinzelstellenBefallsfläche -
Einstufung
In der Summe ein großflächiger Befall auf organischem Material. Eine Oberflächenbehandlung reicht dafür nicht mehr.
Kategorie 3
Flächen geschätzt am Ortstermin. Einstufung nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes.

Abb. 1Küche: Befall entlang des Fenstersturzes über die ganze Breite. 
Abb. 2Schlafzimmer: Befall bis etwa 80 cm Höhe direkt am Bett. 
Abb. 3Kinderzimmer: bandförmiger Befall über dem Fenstersturz. 
Abb. 4Bad: Fenstersturz und Laibung betroffen. 
Abb. 5Grundriss: die Befallsstellen liegen fast alle an Außenwänden und Fensterstürzen.
02 · Messung
Was die Messung zeigt
Klimalogger in Küche und Schlafzimmer, 35 Tage, Wärmebild, Feuchtemessung.
Relative Luftfeuchte, Langzeitmessung über 35 Tage · Skala 0 bis 100 % rF
- Empfohlener Bereich für Wohnräume
- 40 bis 60 % rF
- Küche, Mittelwert bis Spitzenwert
- 66,3 bis 94,1 % rF
- Schlafzimmer, Mittelwert bis Spitzenwert
- 52,3 bis 71,3 % rF
- Schwelle
- 65 % rF, dauerhaft darüber gilt als schimmelfördernd

Abb. 6Wärmebild Schlafzimmer: an der Wandheizung 17,9 °C, daneben teils unter 10 °C.
03 · Ursache
Woher der Schaden kommt
Schimmel entsteht, wo feuchte Raumluft auf kühle Oberflächen trifft. Die Frage war, welcher der beiden Faktoren hier den Ausschlag gibt.
- Hauptursache
Hohe Luftfeuchte in der Küche
Mittelwert 66,3 %, ein Viertel aller Messwerte über 70 %. Die 25 Spitzen über 80 % lagen fast immer zwischen 15 und 19 Uhr. Das Muster passt zu Kochen ohne ausreichendes Lüften. Über die Messzeit stieg die Feuchte weiter an.
- verstärkend
Kühle Bauteiloberflächen
Das Wärmebild zeigte an Deckenanschlüssen und Fensterlaibungen deutlich kühlere Zonen, in der Schlafzimmerecke 13,5 °C. Das ist für ein Gebäude von 1973 typisch und kein außergewöhnlicher Mangel, verstärkt aber jede Feuchtespitze.
- verstärkend
Gipskarton als Nährboden
Gipskarton ist organisch und nimmt Feuchte auf. Bei dieser Befallsgröße ist davon auszugehen, dass der Schimmel ins Material eingedrungen ist.
- nicht belegt
Wäschetrocknen in der Wohnung
Wurde am Termin genannt, war aber nicht zu sehen. Ich habe es weder bestätigt noch widerlegt und nicht als Beleg verwendet.
Zusammen ergibt das einen überwiegend nutzungsbedingten Schaden an einem Gebäude mit den für seine Bauzeit üblichen kühlen Stellen.

Abb. 7Wärmebild Schlafzimmer: 13,5 °C in der Deckenecke, genau dort, wo der Schimmel sitzt. 
Abb. 8Wärmebild Bad: kühle Laibung und Sturz, typisch für das Baujahr.
Geprüft und ausgeschlossen
Was ich ausgeschlossen habe
Ein Schaden hat oft mehrere mögliche Ursachen. Bevor ich eine Ursache benenne, prüfe ich die anderen und sage, warum sie nicht passen.
Feuchte aus der Konstruktion
Die Feuchtemessung an den Wänden war unauffällig. Es gab keine Hinweise auf Leitungswasserschaden, Schlagregen oder aufsteigende Feuchte.
Ein baulicher Mangel als Hauptursache
Die kühlen Zonen im Wärmebild entsprechen dem, was bei diesem Baujahr zu erwarten ist. Eine außergewöhnliche Wärmebrücke oder ein Defekt war nicht zu finden.
04 · Empfehlung
Was zu tun ist
Gipskarton zurückbauen
Alle befallenen Verkleidungen in allen betroffenen Räumen vollständig entfernen und entsorgen, mit Abschottung und Schutzausrüstung durch ein Fachunternehmen.
Untergründe reinigen
Freigelegte Flächen fachgerecht reinigen und für den neuen Aufbau vorbereiten.
Kapillaraktive Innendämmung
Kalziumsilikatplatten an den Außenwänden. Sie heben die Oberflächentemperatur, puffern Feuchte und wirken durch ihre Alkalität schimmelhemmend.
Lüften und Heizen anpassen
Nach Kochen und Duschen gezielt lüften, alle Räume gleichmäßig heizen, keine Wäsche in der Wohnung trocknen. Ohne das kommt der Schimmel auch nach der Sanierung wieder.
Wie es weiterging
Vermieter und Mieter hatten unterschiedliche Erklärungen für den Schimmel. Das Gutachten ersetzt diese Vermutungen durch 35 Tage Messdaten und legt offen, was sich belegen lässt und was nicht. Auf dieser Grundlage wird die Frage derzeit rechtlich geklärt.
Transparenz
Grenzen der Untersuchung
- Keine Bauteilöffnung, keine Material- oder Luftproben.
- Das Schlafzimmer war im Messzeitraum nicht bewohnt, seine Klimawerte sind nur eingeschränkt verwertbar.
- Ob in der Wohnung Wäsche getrocknet wurde, ließ sich nicht feststellen.
Bewertet unter anderem nach
- UBA-Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden
Der Fall ist anonymisiert: ohne Namen, Adressen und beteiligte Firmen. Fotos zeigen nur Bauteile.
Ihr Fall
Schimmel in der Mietwohnung und Streit über die Ursache?
Ich messe das Raumklima über mehrere Wochen, prüfe die Oberflächen mit dem Wärmebild und sage Ihnen, ob die Ursache im Bauwerk oder in der Nutzung liegt. Das Ergebnis steht vorher nicht fest.
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